Gefahren
Mit den Tech-Giganten aus dem Silicon Valley und der von ihnen beherrschten Künstlichen Intelligenz steht jetzt die nächste Generation möglicher Despoten vor uns. Ihre Macht ist unvorstellbar viel größer als alles bisher Dagewesene. Ihr Schlachtruf kann aber dennoch der altbekannte bleiben. Auch sie sagen „Für unsere Werte“. Nur greifen sie uns dabei direkt ins Hirn und machen dort ihre Lügen zu unserer Wahrheit, ohne dass wir es bemerken. Ein kritisches Hinterfragen der Kompatibilität unserer mit ihren Werten erscheint dann sinnlos und findet nicht statt, weil es als überflüssig erscheint. Jetzt sind deren Werte zu unseren geworden. Wir haben es nicht bemerkt.
Wenn man bedenkt, welche Mühen frühere Despoten wie beispielsweise Mao Tse Tung aufwenden mussten, um 900.000 Menschen davon zu überzeugen, dass es sinnvoll und zum Glück aller notwendig ist, sich auf einen 12.000 Kilometer langen Marsch durch die Wüsten Chinas zu begeben, den nur ein sehr kleiner Bruchteil überleben würde, und das mit den heutigen Möglichkeiten der superschnellen Gehirnwäsche per KI vergleicht, dann sollte man über sofortige Kontroll- und Gegenmaßnahmen nachdenken. Im Gegensatz zu Mao damals würde die Katastrophe heute um ein Vielfaches größer und zeitlich um ein Vielfaches schneller eintreten. Selbst Insider aus den KI-Firmen kündigen ihren Job mit dem Argument die Welt sei in Gefahr und die Firmen spielten mit unserem Leben. (FAZ vom 10.09. 2026) Wenn diese Bombe nicht entschärft wird, kann unser Ende näher sein, als wir ahnen.
Und während dessen wächst neben uns die nächste Generation unserer Kinder und Enkelkinder heran und wird von Kindesbeinen an begleitet von den Segnungen des Internets und seinen über TikTok und anderen Plattformen verkündeten Wahrheiten und Werten, ohne dass sie merken, wie sie willenlos süchtig geworden sind; in allem, was das Leben ausmacht, abhängig von einer Handvoll Nerds in ihren Villen im globalen Irgendwo. Und auch dies ist nicht eine apokalyptische Befürchtung für eine ferne Zukunft. Es ist unsere Gegenwart hier und heute. Es geschieht jeden Tag. Und es kann den Lebensnerv der Menschheit auf diesem Planeten treffen. Dann hätte sich die Frage nach dem Wert unserer Werte erledigt.
Währenddessen haben wir und unsere Kultur- und Bildungsprofis in Politik und Medien keine bessere Idee zum Schutz unserer Kinder als sie im Internet auf die Suche nach dem toten Opa und der Oma zu schicken, um herauszufinden, ob die damals Mitglied in der NSdAP gewesen sind. Mit diesem Wissen ausgestattet sollen sie dann die Kraft und die Erkenntnisse schöpfen können, um den Versuchungen des Internets und den Gefahren von TikTok & Co. widerstehen zu können. Denn: Nur wer seinen Blick jederzeit fest auf die Sünden der Väter und Großväter gerichtet hält, kann die eigene Zukunft zum Wohlgefallen des Bundespräsidenten gestalten.
Hoffnung
Aber die KI gibt auch Anlass zur Hoffnung auf ein zivilisiertes Leben. Wenn etwa das ungeheure Potenzial der KI weltweit zu der Erkenntnis führen würde, dass das Glück der Menschheit in der Zukunft eben nicht mehr davon abhängt, ob und in welchem Ausmaß die jeweils geltenden Werte aus Religion oder Ideologie von einer rücksichtslosen und jederzeit gewaltbereiten staatlichen Macht in der breiten Masse des Volkes verankert werden. Nicht die ewig andauernde Konfrontation der unterschiedlichen Religionen mit Mord und Totschlag und ständig neu aufflammenden Kriegen kann zu einem friedlichen Zusammenleben aller Menschen auf dem kleinen und überschaubarer werdenden Erdball führen.
Wenn stattdessen die KI dafür genutzt würde, aus allen bestehenden Religionen und Ideologien dieser Welt nur das gemeinsame Gute ans Licht zu heben und als neues gemeinsames Ziel an allen Schulen, Universitäten und Glaubenseinrichtungen zu etablieren, dann wäre das angesichts des Leistungspotentials der KI eine Sache von Minuten, für die Politik wahrscheinlich Schwerstarbeit, für die Menschheit aber die Rettung. Denn die wilden Rösser der KI müssen dringend gezügelt werden, um die beschriebenen Gefahren für die Menschheit abzuwenden. Diese KI-Bestie muss mit Aufgaben gefüttert werden, die sie in ihren Möglichkeiten fesselt und auf konstruktive Aufgaben festlegt. Dann erst hätte die KI ihre Daseinsberechtigung gefunden und die Menschheit mit einem Quantensprung ins Neuland einer besseren Zukunft geführt, in der an die Stelle des Glauben-müssens an abstrakte Werte das konkrete Wissen um das gemeinsame Gute als neuer Wert getreten ist.
KI kann dann auf lange Sicht auf dem Weg über die Bildung die Menschheit zu einer Art Schwarmintelligenz führen, ähnlich wie wir sie im Tierreich bei Fischen oder Vögeln beobachten können. Dieses Verhalten setzt Freiheit voraus und selbstbestimmtes Verhalten auch im Schwarm. Neben der Bildung können durch die KI auch Kräfte freigesetzt werden in der Medizin, der Technik, der Wirtschaft bis in den Bereich der Politik.
Das Kontrastbild einer ungesteuerten KI führt ungebremst nicht zur Schwarmintelligenz der Menschheit sondern zu ihrer Schwarmverblödung bis hin zur Schwarmversklavung oder schlimmstenfalls zum befürchteten Ende der Menschheit überhaupt.
Die Liebe
Ein solcher Quantensprung in der Entwicklung der Menschheit wie wir ihn mit der Künstlichen Intelligenz jetzt erleben und wie die Menschheit ihn in ihrer ganzen Geschichte noch nie erlebt hat, bedarf der Steuerung. Selbst die Fachleute aus den Tech-Giganten plädieren dafür, das Tempo der Entwicklung gezielt zu reduzieren, um Zeit zu gewinnen und nachdenken zu können über das weitere Vorgehen.
Ein Ansatz bei der Suche nach einer rettenden Idee könnte darin bestehen, dass alle bestehenden Konflikte eingefroren werden, damit sie nicht einer verselbständigten KI zum Fraß vorgeworfen werden können. Trump und Putin müssten – und könnten – ihre von purem Egoismus befeuerten Kriege stoppen mit dem gesichtswahrenden Argument die Menschheit vor der aus dem Ruder laufenden KI schützen zu wollen.
Ein weiterer Ansatz wurde schon beschrieben wobei mit der Übertragung einer konstruktiven Aufgabe an die KI im Bereich der Religion ein für alle Religionen gültiger gemeinsamer Wert gesucht werden sollte.
Diese Idee ist nicht neu. Schon im Jahr 1455 hatte der in Pforzheim geborene Humanist Johannes Reuchlin, der in Freiburg und Basel Theologie und in Paris Jura studiert hatte, mit weiteren Gelehrten in Florenz den Gedanken an einen großen europäischen Gelehrtenkongress ins Leben gerufen, auf dem in Anwesenheit des Papstes eine Zusammenführung aller philosophischen und religiösen Lehren erarbeitet werden sollte, um alle Streitigkeiten für alle Zeit zu beseitigen. Aus der Idee wurde nichts. Mit Hilfe der nahezu unbeschränkten Leistungskraft der KI wäre es möglich.
Möglicherweise ist es die Liebe der Mütter dieser Welt zu ihren Kindern, die ein gemeinsamer Wert sein könnte. Dieser Wert ist der Ausgangspunkt allen Lebens auf Erden. Ohne ihn gibt es kein Leben. Es ist die Liebe, die das Leben gebiert. Sie sollte es sein, die dauerhaft geschützt wird. Keine Religion und keine Ideologie sollten versuchen, dagegen andere Werte ins Feld zu führen. Für die christliche Religion hat der Apostel Paulus schon vor zweitausend Jahren in seinem Brief an die Korinther die Liebe als den Kern des christlichen Glaubens wie folgt auf den Punkt gebracht: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe., diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ Viele Historiker sehen in Paulus den eigentlichen Gründer des Christentums. (Im Buch auf Seite 16)
Es wäre des Schweißes der Edlen wert, wenn sie sich auf die Suche nach ähnlichen Aussagen in allen Religionen dieser Welt begeben würden und wenn die Politiker dieser Welt ihre wertegebundene Politik zuallererst auf diesem Fundament der Liebe gründen würden. Die Liebe ist nicht parteigebunden, nicht staatsabhängig, sie ist universell, global und überall sofort verständlich. Sie muss nicht geglaubt werden, sie ist unmittelbar erfahrbar, spürbar. Sie ist real.
Wem dieser Blick durchs Schlüsselloch der Evolution zu phantastisch erscheint, der möge sich nur kurz vor Augen halten, zu welchen „Wundern“ die KI hier und heute schon fähig ist. Es gibt praktisch nichts mehr, was sie nicht kann und alle bekannten Fachleute sprechen schon jetzt von einem Epochenwandel wie die Menschheit ihn bisher noch niemals erlebt hat. Vergleichbare Umbrüche in der Vergangenheit wie die Industrialisierung oder die Aufklärung vollzogen sich über Jahrhunderte, mindestens über Jahrzehnte. Dieser findet gegenwärtig in Wochen, manchmal in Tagen statt. Die KI mit dem Internet ermöglicht zudem einen ganz neuen Zugang zu allen Menschen. Sie wirkt "under cover". Die Machthaber merken es gar nicht. Es sagt ihnen auch niemand. Es ist wie bei der Geschichte mit dem Frosch im Wasserglas, in dem die Temperatur erhöht wird. Wenn es dem Frosch zu warm wird und er aus dem Glas springen will, kann er das nicht mehr. Es fehlt ihm die Kraft - so wie den Herrschen, wenn sich die Welt in den Köpfen der Menschen geändert hat.
Natürlich sind diese Betrachtungen tatsächlich nur ein Blick durchs Schlüsselloch der Evolution, aber deshalb sind sie nicht sinn- und zwecklos. Denn was waren unsere Religionen zur Zeit ihrer Entstehung anderes als ebensolch ein Blick in eine unendlich weit entfernte Zukunft am Ende aller Tage im himmlischen Paradies? Mit der KI können wir auf diesem Weg dem Paradies ein Stück weit näherkommen.